Skaliertes Theoriemodell
Skaliertes, anthropologisch motiviertes Theoriemodell
Unter anthropologischen Phänomenen fasziniert mich besonders charakteristisch menschlicher Verstand. Seine Charakteristik scheint mir vor allem auf der Gegebenheit und Kompetenz zu basieren Anthropomorphismen – quasi eigenmächtig wirkende virtuelle Instanzen – bilden und darüber mit philosophischen Mitteln wissenschaftliche Fragen angehen zu können.
Um mein primäres Forschungsobjekt besser verstehen zu lernen, umkreise ich es denkspielerisch auf wahlweise einnehmbaren Standardorbits eines skalierten Systems theoretischer Beobachtung. Jeder dieser Orbits bietet eine spezifische theoretische Reichweite und einen entsprechend gemeinten Gültigkeitsraum sowohl genutzter als auch gewonnener Aussagen.
Orbit Ontologie
Ontologie setzte ich als den höchst denkbaren Orbit voraus, der alle anderen umfasst. Ontologisch halte ich mich bisher (theologisch ausgedrückt) agnostisch bzw. (philosophisch formuliert) skeptisch: Ich glaube nichts unerschütterlich und das gefühlt seit ich denken kann.
Forschungsfragen versuche ich mit philosophischen Mitteln und kompatibel mit dem Stand naturwissenschaftlicher Erkenntnis zu beantworten, der aktuell nicht erlaubt zu beurteilen, ob die Phänomene materielle Realität, Zeit oder Raum tatsächlich existieren.
Orbit Erkenntnistheorie
Auf dem nächstniedrigeren Orbit orientiert mich eine Erkenntnistheorie, deren Namen ich mir selbst erarbeitete: Ökologische Anthropologie. Von hier aus gesehen ist es irrelevant, ob du an die reale Existenz materieller Forschungsobjekte (beispielsweise menschlicher Körper) oder von Phänomenen wie Raum und Zeit glaubst. Wer eine Erkenntnistheorie hat, hat eben das: eine Theorie.
Alle von mir formulierten Studienarbeiten und Briefe basieren auf dieser Position, die konkret bedeutet, dass ich anthropologische Überlegungen an zwei Koordinaten binde: die Spezieszugehörigkeit Homo sapiens und das System Planet Erde (woran zumindest wissenschaftlich kein vernünftiger Zweifel mehr besteht). Das integrativ Gute an dieser Erkenntnistheorie? Sie ist nicht physikalistisch.
Orbit Sozialtheorie
Dass mich soziologisch die Sozialtheorie Kulturelle Evolution orientiert, ermöglicht mir die historische Entstehung und bisherige Dynamik von zwei Wissenschaftskulturen – der naturwissenschaftlichen und der geisteswissenschaftlichen Forschungstradition – analytisch zu beobachten. Den Begriff Evolution verwende ich nicht „bloß“ heuristisch, sondern aufmerksam für den Medienbruch zwischen biologisch und sozial so eng wie möglich orientiert am von Darwin erarbeiteten Grundmodell. Das integrativ Gute an dieser Erkenntnistheorie? Sie ist nicht biologistisch.
Orbit Psychotheorie
Mich auf psychotheoretischer Ebene an Sigmunds Freuds Standardmodell von Psyche zu orientieren ermöglichte mir direkt daran anzudocken: inspiriert von Carl Stumpfs Überlegung, es müsse verschieden bewusste Urteilsmodi geben.
Zugewinn durch das skalierte Theoriemodell
Agnostisch voreingestellt und erkenntnistheoretisch ökologisch-anthropologisch gesichert lässt sich die Grenze zwischen natur- und geisteswissenschaftlicher Forschungstradition problemlos überschreiten und so charakteristisch menschlichen Verstand beforschen. Das ist sehr wertvoll, weil ich gestützt von diesem skalierten Theoriemodell Handlungs-, System- und Evolutionstheorie Erkenntnisse kollisionsfrei integriert anwenden kann.
Fazit
Kombiniert mit Agnostizismus ist Ökologische Anthropologie voll kompatibel mit gültigen physikalischen und biologischen Theorien, ohne physikalistisch oder biologistisch zu sein.